Automatische Empfehlungen: Auf dem Weg zur Brauchbarkeit?

netflixKeine Ahnung, wie’s Euch geht, aber ich persönlich hasse die so genannten persönlichen Kaufempfehlungen, wie sie etwa beim Besuch der Site eines bekannten Online-Buchhändlers gemacht werden, wie die Pest, spätestens seit ich nach dem Erwerb von Biografien von Miles Davis und Johnny Cash immer wieder die Bekenntnisse eines jüngst verstorbenen Zappelkünstlers ans Herz gelegt bekam.

Von dem System aber wollen die Anbieter nicht abweichen, und anstatt einzusehen, dass man vielleicht doch den einen oder anderen echten Menschen mit so etwas beschäftigen sollte, setzt man Preisgelder für bessere Lösungen aus. Und so dürfte ein Forscherkonsortium demnächst eine Million Dollar einstreichen.

Ausgelobt hatte den Betrag der DVD-Verleiher Netflix, der zur Bedingung gemacht hat, dass seine Empfehlungssystem um mindestens 10 Prozent verbessert werden müsste. Das war bereits im Oktober 2006 – erst jetzt erhebt ein Forscherteam mit dem klingenden Namen BellKor’s Pragmatic Chaos den Anspruch, das Ziel erreicht zu haben.

Den Wissenschaftlern, die ihr Salär mit dem Preisgeld aufbessern wollten, hatte Netflix die anonymisierten Daten von 480.000 Kunden zur Verfügung gestellt, aus denen hervioorging, wann sie welchen Film ausgeliehen hatten. Bei der Hälfte dieser User hatte Netflix ihre Bewertungen der geliehenen Filme mitgeliefert; auf dieser Basis sollte vorhergesagt werden, wie die anderen ihre Filme ausliehen.

BellKor’s Pragmatic Chaos hat auf Grundlage dieser Informationen angeblich eine Voraussageverbesserung von 10,05 Prozent erreicht und damit den Algorithmus geschlagen, den Netflix derzeit verwendet. Was offenbar eine heikle Sache ist, denn die Filmleiher verhalten sich (so ist sie nun mal, die menschliche Natur) nicht nur ausgesprochen inkonsistent, sondern offenbar spielen auch Elemente wie der Wochentag, an dem die Bewertung abgegeben wird, eine bestimmte Rolle.

Dass sich aus den Forschungserkenntnissen so bald etwas wirklich Brauchbares entwickeln lässt, bezweifeln Experten auf diesem Hintergrund, und ganz ketzerisch macht ein Informatiker auch noch die Bemerkung, dass es gut sein könne, dass Netflix in erster Linie daran interessiert sei, das Projekt marketingmäßig auszuschlachten und den Kunden zu sugerrieren, man gebe sich wirklich Mühe um ihre Interessen. Und nicht nur um ihr Geld. [dieter]

[via New Scientist]

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