Kriegsaxt begraben: Einigung zwischen Musikindustrie und Webradios

11tech_WebradioInternetradios dürfen weitermachen. Die Musikindustrie hatte sie umzingelt und in den (finanziellen) Würgegriff genommen. Mit einem Zahlungsversprechen konnten sich die Betreiber da herauswinden.

Ob jedes Internetradio die ausgehandelten Copyright-Gebühren  wird zahlen können, ist eher fraglich. Aber immerhin gibt es jetzt nach zweieinhalb Jahren Streit eine Regelung mit SoundExchange. Der internationale Verband kümmert sich um die Zweitverwertungsrechte der Musiker (eher weniger) und der Plattenverleger (vor allem). In Deutschland macht gleiches die hiesige GEMA.
Im soeben verabschiedeten Vertragswerk wird differenziert nach echten Radiostationen, die ihr Programm zusätzlich online ausstrahlen und jenen Hobbyisten, die als Webcaster nur ihren kleinen Spezialsender betreiben.
Wichtigstes Ergebnis: Es muss nicht pro Song abgerechnet werden, was den befürchteten bürokratischen Superaufwand vermeiden hilft. Schließlich sind Webradios international zu empfangen, wobei unterschiedliche Urheberrechte greifen. Statt dessen sollen die Betreiber pauschal 25 Prozent ihrer Onlineumsätze abdrücken. Das klingt fair, denn nur die größeren Anbieter schaffen es überhaupt, damit spürbares Geld einzunehmen. Hobby-Radiomoderatoren haben eher Kosten als Einnahmen, und sollen daher entweder zwischen 10 und 14 Prozent ihrer Einnahmen oder, falls nicht vorhanden, 7 Prozent ihrer Kosten abdrücken. Als kleine Webcaster gelten übrigens jene Stationen mit weniger als 1,25 Millionen Dollar Umsatz. Diese Regelung behält bis 2015 ihre Gültigkeit.
„Ohne diese Lösung wären viele von uns untergegangen. Das ist also eine große Erleichterung“, kommentiert Tim Westergren, der als Vertreter einer der größten Webradios (30 Mio. Zuhörer) mit am Verhandlungstisch saß.
Wer die Pauschalregelung nicht wünscht, kann als Betreiber auch die Pro-Song-Abrechnung wählen. Dann zahlt er 8 Promille eines Cents pro Lied und Zuhörer. Diese Rate soll 2015 auf 14 Promille steigen. Sie soll künftig auch auf jene Business-Portale angewendet werden, die ihre Angebote mit bekannter Musik unterlegen.
Während in den USA noch der Kongress dieser Einigung zum Gesetzesstatus verhelfen soll, wolle sich SoundExchange darum kümmern, dass die Rechteverwerter der anderen Länder sich diesem Vertragswerk anschließen, damit die grenzenlosen Webradios möglichst nur einmal zur Kasse gebeten werden. Die internationalen Musikverleger jedenfalls begrüßen den Kompromiss. Und die Musiker? Wurden natürlich mal wieder nicht gefragt. [rm]

[L.A. Times]

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Eine Antwort zu Kriegsaxt begraben: Einigung zwischen Musikindustrie und Webradios

  1. Matthias schreibt:

    Soweit ich weiß, ist das nicht ganz richtig:
    Die GEMA (in USA die ASCAP) kümmert sich um die Komponisten und Inhaber der Songrechte, während hierzulande die GVL für die Platten- und MP3-Produzenten Geld abzockt.
    Übrigens war und ist es auch hier die GVL, die den Webradios unmögliche Tarife aufzwingen will, die GEMA hat einen einfachen und realtiv günstigen Tarif dafür schnell geschaffen.

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