EU testet Road Trains

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Die EU finanziert derzeit ein sehr ambitioniertes Forschungsprojekt, welches sich als Ziel eine Kostenminderung beim Spritverbrauch und gleichzeitig die Steigerung des Aufnahmepotentials der vorhandenen Automobilwege gesetzt hat. Die Idee ist in der Theorie recht simpel und erinnert mich an Herbie aus dem Walt Disney Film The Love Bug. Ich denke an die Szene, wo er sich an einen Lastwagen ranhängt. Denn mehr oder weniger so stellt sich das die EU auch vor: In sogenannte Road Trains sollen sich Verkehrsteilnehmer je nach Bedarf einfädeln und ausklinken können. Das soll helfen bis zu 20 % Kraftstoff zu sparen. Vorneweg…

… fährt ein Leitfahrzeug, der „Zug“ soll jedoch nicht über mechanische Komponenten (wie etwa Kupplungen) zustande kommen. Wie diese Kraft jedoch genau aussehen soll, welche die Kolonne von bis zu acht Fahrzeugen so führt, dass die Fahrer der Wagen die Hände vom Steuer nehmen können, wird leider nicht verraten. Hmmm, Magnetismus? Wohl kaum, wenn man bedenkt, dass heutzutage bereits Autos eigentlich fahrende Computer sind. Oder bin ich da nicht auf der Höhe der Zeit?

Zudem dräuen bereits einige Schwierigkeiten am Horizont: Zum einen lauern zunächst immense Kosten, denn die Straßen (ich vermute mal in erster Linie Autobahnen) müssen zunächst einmal so verkabelt werden, dass die notwendigen Sensoren angebracht werden können. Dann es muss jedes Fahrzeug mit einem eigenen Kontroll- und Überwachungssystem bestückt werden, vom Leitfahrzeug aus müsste außerdem die ganze anhängende Kolonne kontrollierbar sein. Wie das aussehen soll ist mir auch nicht ganz klar. Ich stelle mir das Cockpit des Leitfahrzeugs bei diesem Gedanken wie eine Art kleinen Tower vor, der sprachlich Erlaubnis oder Verbot zum ein- oder austreten aus der Kolonne gewährt. Wenn ich mir überlege, wie ungenau sich Leute bereits jetzt im Straßenverkehr verhalten oder sich ganz allgemein ausdrücken, dann seh ich da definitv Bedarf für Schulungen.

Und wenn dann alle technischen Probleme tatsächlich gelöst sind, gibt es noch eine nicht zu unterschätzende psychologische Komponente, der man Rechnung tragen muss: Autofahrer fahren einfach nicht gern so dicht zwischen LKWs rum. Andererseits wieder ist das ja bereits Pendler-Alltag, der sowieso schon stressig und gefährlich ist, vielleicht steckt im Satre-Projekt (Safe Road Trains for the Environment) ja tatsächlich auch die Möglichkeit zur Unfallreduktion, wer weiß, ich neige jedoch im Moment eher zur Skepsis und befürchte eher verheerende Massenunfälle als deutlich sinkende Unfallzahlen.

Getestet wird Satre übrigens die nächsten drei Jahre in Schweden, Spanien und Großbritannien. Ich bin ehrlich gesagt schon gespannt, was man da so (oder ob man überhaupt was) davon hören wird. Irgendwelche Gedanken zu Sartre, irgendjemand?

[Nachtrag: Ja, stimmt, Simba, ich hab da wirklich was missverstanden. Sensoren am Staßenrand müssen nicht installiert werden. Aber eine Extraspur für die Züge wie du es zur Minimierung von Sicherheitsrisiken vorschlägst, ist auch nicht im Sinne des Projekts. Dann hätte Fritz mit seinem Kommentar recht und die Schiene wäre die bessere Lösung. Aber es soll ja ein flexibles System werden, aus dem man sich beliebig ein- und ausklinken kann.]

[bianca]

[via ecogeek, BBC]

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13 Antworten zu EU testet Road Trains

  1. Fritz schreibt:

    Eigentlich war dafür mal die Schiene da. Anders gesagt: Ich finde das Konzept schrecklich. Wieviele Millionen unserer Steuern werden da für die Quersubventionierung der Auto-Leviathane verbrannt?

  2. Simba schreibt:

    Ich glaube du hast das System nicht so recht verstanden. Man braucht keine mechanischen/magnetischen Kupplungen oder ähnliches. Die Autos fahren selbst.
    Und wozu sollten die Straßen Sensoren benötigen? Es bräuchte maximal eine extra Spur für die Züge, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.

  3. 4ndreas schreibt:

    nun das problem ist wohl eher noch das leitfahrzeug macht das einen fehler (egal ob mensch oder computer) baut die ganze kolone einen unfall.
    Auch der übrige verkehr ist nicht so leicht einzuschätzen.
    Ansonsten ist das eigentlich genial, bei langen autobahnfahrten mit viel verkehr einfach in die nächste kolone einklinken und gemülich suften und kaffeetrinken.

    Zu der aussage:
    […Wohl kaum, wenn man bedenkt, dass heutzutage bereits Autos eigentlich fahrende Computer sind….]
    na ja die computertechnik in autos ist sellbst bei neuwagen 5 bis 10 Jahre alt und auch nur auf das allernötigste reduziert, multimeida zählt nicht, die ist völlig vom eigentlichen auto abgekoppelt.

  4. Schussel schreibt:

    es gab vor jahren schonmal so ein konzept von vw, die wollten tatsächlich dann eine bahn für geführte fahrzeuge haben, bzw. das war die idee dahinter. die autos führen dann automatisch hintereinander, beliebig viele, mit ausreichend abstand zum bremsen im notfall (falls eben mit dem vorherfahrenden was passiert).

  5. crossmonaut schreibt:

    Mir kommt es so vor, als sei die rechte/linke Autobahnspur schon voll genug.
    Wenn ich die Möglichkeit von Spurwechseln mal ausschließe, ist eine weitere Verdichtung dort nicht nötig, oder?

    Wer steuert denn eigentlich das Leitfahrzeug? Ein Abstinenzler mit Pilotenausbildung und aus gefestigten Verhältnissen?

    Ach, was mache wir uns Sorgen, die EU wird schon wissen, was sie tut! :o/

  6. Gördi schreibt:

    Sehr untauglich.
    Denn um damit Sprit zu sparen müsste man so dicht auffahren das im Prinzip kein ausreichender Bremsweg mehr über bleibt. Man könnte zwar ein automatisches Abstandshaltesystem verwenden das einen in ca konstanten 2m Abstand zum vorderman hält aber bei einer Notbremsung des ersten Fahrzeugs siehts düster aus. Das wäre eine massenkarambollage.
    Das zu vermeiden ist das Problem dabei. Eine automatisch abgesetzte Warnmeldung des Führungsfahrzeugs und ein ausscheren nach rechts oder nach links wäre zwar möglich, die Reaktionszeiten wären aber dafür viel zu gering.

    Ohne eine mechanische Kopplung halte ich sowas nicht für umsetzbar. Und mit dieser hat sich das Projekt auch schon selbst erledigt.

    Denkbar wäre meiner Idee nach Elektrofahrzeuge die über in die Strasse eingelasse Induktionsstreifen zum einem mit energie versorgt werden und zum anderem auch gelenkt werden (bis man dem Auto anweisung gibt in ca 300 m abzubiegen und man selbst wieder die Kontrolle übernimmt.)
    Wäre allerdings die Frage wie sich ein solches Magnetfeld auf die Natur auswirken würde.

  7. humpi pumpi schreibt:

    Na ihr habt ja Vorstellungen…

    Natürlich sind die Autos durch Computer gesteuert. Die bilden dann spontan einen Verbund. Dieses Anführerfahrzeug ist auch nur ein normales Auto, das durch einen ausgeklügelten Algorithmus ausgesucht wird. Wenn das ein LKW ist, hat es vermutlich Windschattenvorteile. Die fahren dann eng zusammen, weil sie einheitlich gesteuert werden. Da greift kein Mensch ein, was sollte er denn auch machen. So schnell kann ja niemand reagieren. Es gibt ja jetzt schon diese Experimente/Rennen in der Wüste, in denen computergesteuerte, normale Autos herumfahren und versuchen, das Ziel (einige 100 km) entfernt zu erreichen.
    Das ist natürlich sicherheitskritisch mit diesen Computern, man könnte ja nebenher fahren und ein starkes Signal (stärker als das Masterfahrzeug) absenden: „Beschleunigen“ und alle rasseln dem ersten Auto hinten rein. Angriffsvektoren gibts ja viele.

    [http://www.network-on-wheels.de/]
    [http://c2x-sdk.neclab.eu/]
    Vehicular Ad-hoc Networks

  8. Gördi schreibt:

    Na in der Wüste oder auf einer abgesperrten strecke muss ja auch niemand damit rechnen das die Mutti sich grad mir der freundin per telefon unterhält wäre die kleine auf dem Rücksitz übelst nervt und sie einfach keine Zeit hat um auf den Verkehr zu achten…
    Oder der gestresste Vertreter der von einem Termin zum nächsten rast und mal eben noch 5 meter vor Ausfahrtsende von ganz links da noch reinzieht…
    Oder so.

    Kurzum: mit der dummheit anderer müsste der Kollege Computer rechnen… und da wirds sehr problematisch.

    Oder lös zb so eine „vernetzte“ kolonne geordnet auf.. da wirds auch Problematisch weil kaum Abstände vorhanden sind

    etc

  9. humpi pumpi schreibt:

    Das mit der Wüste stimmt natürlich, das funktioniert auf der Straße nur, wenn quasi alle Autos sowas haben. Andererseits gibt es jetzt ja auch Autokolonnen (Kleingruppen), die hintereinander herfahren und die verursachen ja auch keinen Crash. Aber das Problem der nur langsamen Konvergenz des Stands der Technik bleibt natürlich bestehen.

    Das Auflösen ist allerdings einfach. Der erste gibt das Kommando zum Auflösen und dann lassen sie sich von hinten anfangend einfach nach und nach zurückfallen.
    So was ähnliches wird es auch für das Ausscheren geben können.

  10. sammy the speed schreibt:

    Also ich finde die Idee vom Ansatz her super, nur mir stellt sich die Frage eines Überholvorgangs. Sicherheitskritiken sehe ich da relativ wenige, da ein Großteil der Technik bereits eingesetzt wird….

    1. Die Autos haben bereits den so genannten „Spurassistenten“, mit dem es in Zukunft wohl möglich sein sollte, die rechte oder linke durchgezogene Linie zu verfolgen (kann sogar der LEGO NXT).

    2. Der Abstand lässt sich über eine Art Radar, bzw. Ultraschall-Sensoren bewerkstelligen. Jede aktuelle Einparkhilfe beherrscht das. Die Sensoren pendeln sich auf einen Abstand von ca 0,5 bis 1m ein, und reagieren in Bruchteilen von Sekunden.

    3. Das seitliche Abdriften kann ebenfalls von diesen Sensoren bewerkstelligt werden. Im Frontbereich müsste sich logischerweise hierfür die Anzahl erhöhen, so dass das Fahrzeug merkt, wenn es nach links oder rechts abdriftet. (sendet einer am Vordermann vorbei kann schon korrigiert werden. Oder am Heck des Vordermann´s wird eine Sensoreinheit zu „zentrieren“ Montiert, so dass ein seitliches Abdriften frühzeitig wahr genommen wird.

    4. Die Vollbremsung ist relativ unproblematisch. Um die Jahrtausendwende herum wurden sogar schon Kleinwagen mit elektronischen Gaspedalen und Bremsen versehen. In dem Moment, wo der Fahrzeugführer vom Gas geht, geht ein elektronisches Signal zum Motor, und hier die Leistung zu drosseln. das kann man doch nach hinten weiter senden 🙂 Das gleiche geht bei der Bremse!
    Problematisch wird hier lediglich der Bremsweg. Bei diesem spielen die Reifenmischung und dessen Alter, so wie der Verschleiß-zustand der Stoßdämpfer die gravierendste Rolle.

    Meine Bedenken gehe eher in die Richtung der Elefantenrennen. Was ist, wenn ein Tankwagen auf der AB 65km/h fährt, und dort eine Kolonne mit 30 Autos zum Überholen ansetzt? Oder gar eine Kolonne gerade begonnen hat, die erste zu überholen, dessen Zugmaschine gerade selber links über zieht, um zu überholen?

    Im Großen und Ganzen denke ich, dass diese Technik besonders in den USA eingesetzt werden könnte…

  11. Gördi schreibt:

    Nuja, automatisches Bremsen schön und gut, aber neben reifenzustand, strassenzustand, reifenart, bremsenzustand haben eigendlich alle autos unterschiedlich hohe verzögerungswerte.

    „Das Auflösen ist allerdings einfach. Der erste gibt das Kommando zum Auflösen und dann lassen sie sich von hinten anfangend einfach nach und nach zurückfallen“
    Ehm, der Computer soll so etwas steuern? Dann müsste es seeehr langsam von statten gehen damit alle unterschiede auf einen Nenner gebracht werden können.
    Der Mensch soll das machen?
    Hm, ich seh meine Schwester Autofahren und das sagt mir schon : NEIN, das geht nicht.
    Meine Schwester bremst zB rein Digital. ganz oder garnicht. Ich dagegen bremse eher sachte und frühzeitig.
    So eine Kolonnen-Aktion bedarf einer sehr hohen Disziplin die man bei kaum einem Autofahrer findet.
    Jemand der mal eine Motorradausfahrt mitgemacht hat wird vermutlich am ehesten verstehen was es bedeutet in einer Kolonne zu fahren und wie stark man sich dabei konzentrieren muss.

    Wie gesagt… das reine geradeausfahren wird kein Problem sein.

  12. humpi pumpi schreibt:

    Selbstverständlich wird das alles komplett durch Computer übernommen. Der Mensch ist ja dabei noch unberechenbarer als Programm-Bugs.

    Autos könnten schon zumindest im Stadtverkehr autonom fahren. Das Problem ist eher die ungeklärte rechtliche Frage. Wenn was passiert, wer ist dann schuld? Der Hersteller? Der Programmierer? Der Unfallgegner? Der Fahrer?

    Mulmig wäre mir dabei schon. Aber auf jeden Fall geht sind diese Road Trains ohne Menschen gedacht.

  13. Gördi schreibt:

    Dann müssten aber ALLE Autos computerisiert fahren.
    Und Käfige um die strassen und Parkplätze gebaut werden damit keine autonomen fahrzeuge (aka, Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen, Radfahrer, Mofa/Roller/Motorradfahrer dem Computer in die Quere kommen und etwas unvorhersehbares machen 😉 😉

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